leer
  •  
  •  
  •  
"Und dann meine Seele, sei weit, sei weit, dass dir das Leben gelinge. Breite dich wie ein Federkleid über die wachsenden Dinge." Rilke "O Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen!" Kirchenvater Augustinus
 
Tanz

Sakraler Tanz

Rituelle, religiöse oder spirituelleTänze, die man allgmein als "sakral" bezeichnen könnte, hat es sicher immer schon gegeben. Der "Sakrale Tanz" im engeren Sinne ist eine Neuschöpfung des 20. Jahrhunderts.

Ursprung

Der Sakrale oder auch Meditative Tanz geht zurück auf den Ballettmeister und Choreographen Prof. Bernhard Wosien (1908 - 1986). Bei einem Aufenthalt in der spirituellen Gemeinschaft der Findhorn Foundation, Mitte der 70iger Jahre des 20. Jhs., begegnete B.Wosien dem schweigenden Gebet und fasste den Entschluss, diese Erfahrung in Tanz umzusetzen. Seine "Meditation des Tanzes" sollte ein Schreiten in die Stille und bewegender Einstieg in die Meditation sein mit dem Ziel der Heilung, womit er "ein persönliches Bemühen im Sinne einer Entwicklung" meinte.

Inhalt

Zu diesem Zweck choreographierte er u.a. Kreistänze aus wenigen aber eindeutigen und symbolhaltigen Schrittfolgen und Gesten, die zu ruhiger klassischer Musik getanzt werden, so z.B. der "Pilgerschritt" - drei Schritte vor, einer zurück - u.a. getanzt zu Bachs "Air " aus der Orchestersuite Nr.3. Als Kenner der Volkstänze Israels, Griechenlands etc. ließ B. Wosien auch geeignete Elemente aus diesen in seine Meditation des Tanzes einfließen. Viele Inhalte des Sakralen Tanzes entsprechen dem Gedankengut des christlichen Abendlandes, aber es sind auch Bezüge zu anderen Weltreligionen, der Religiösität der Naturvölker und der Esoterik zu finden. So spielt z.B. in einigen Tänzen die Zahlensymbolik eine große Rolle. Ein immer wiederkehrendes meditatives Thema ist natürlich "die Mitte" , u.a. auch beim Tanzen von Spiralen und beim Begehen eines Labyrinthes. Weitere Themen sind Geburt, Tod, Trauer, Freude, Dankbarkeit, Wachstum, Licht und Dunkelheit etc., eben die bewegenden Menschheitsthemen.

Anspruch

So einfach Schritte und Gebärden oft sind, gilt es doch, mit Körper und Geist ganz im Augenblick präsent zu sein und sich selber auszuhalten. Dies ist nicht immer eine einfache Aufgabe und konfrontiert den Lernenden nicht nur mit seinen Stärken sondern u.U. erst einmal auch mit seinen Schwächen, Ängsten und Defiziten. Die Kraft der Musik, Harmonie der Bewegungsabläufe, die klaren Strukturen der Tanzanweisungen und die Einbettung in die Tanzgemeinschaft haben auf die meisten Menschen jedoch eine wohltuende psychische Wirkung und können somit ein heilender Faktor sein.

Verbreitung

B. Wosien erarbeitete den Meditativen Tanz u.a. zusammen mit seiner Schülerin Friedel Kloke-Eibl, die nach seinem Tod seine Arbeit auch weiterführte, ebenso wie seine Tochter Maria-Gabriele Wosien und Nanni Kloke.
Es entstanden in den 80iger Jahren Ausbildungsinstitute in den Niederlanden, die „Stichting Sacred Dance“ und das „DEMIAN – Instituut in Beweging“.
1990 gründete Friedel Kloke-Eibl das Ausbildungsinstitut „Meditation des Tanzes – Sacred Dance“ in Deutschland. Es entstanden außerdem Ausbildungsgruppen in Irland, der Schweiz und in Brasilien. Mitte der 90iger Jahre wurde der „Fachverband Meditation des Tanzes – Sacred Dance e.V. “gegründet, um die Meditation des Tanzes zu festigen und zu vertiefen und auch die Öffentlichkeit dafür zu interessieren. Das Mitteilungsblatt des Verbandes, die „Balance“, erscheint zweimal im Jahr. Es steht stets unter einem Leitthema und enthält nicht nur aktuelle Informationen, sondern auch Aufsätze zu meditativen Themen, Beschreibungen eines besonderen Tanzes, Lyrik etc. Seminare zu Meditavem Tanz erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und werden auch in einigen Klöstern angeboten, z.B. im Kloster Nütschau.

Literatur

  • "Der Weg des Tänzers", Bernhard Wosien, TB Reichel, 3. Aufl. 1998
  • "Tanz und Spiritualität", TB Grünewald,1995

Weblinks

Diesen Artikel habe ich auch in Wikipedia veröffentlicht, mit der herzlichen Einladung, ihn durch interessante Beiträge zu vervollkommnen.
Nachdem ich dem meditativen Tanz zum ersten Mal im Kloster Nütschau begegnet bin, habe ich eine zweijährige Fortbildung im sakralen Tanz bei Susanne Bartholomäi im Osterberg-Seminarhotel in Niederkleveez gemacht. Susanne ist u.a. eine Schülerin von M.G.Wosien und Nanni Kloke.

Im deutschsprachigen Raum leider nicht so bekannt ist die Tänzerin Mireille Nègre, deren Autobiographie "Ich tanze Gott für dich" leider nur noch antiquarisch zu bekommen ist. So viel ich weiß, besteht kein Zusammenhang zwischen ihr und dem auf B. Wosien zurückgehenden sakralen Tanz. Falls jemand mehr darüber weiß, würde ich mich über Informationen freuen.

www.an-design.de