Ernsthafter betrachtet finden Sie dieses Thema z.B.  in vielen Büchern von Anselm Grün

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Das entthronte Über-Ich


Mein Über-Ich das ficht mich an,
dass ich nicht friedlich schlafen kann.
Vater, Mutter und selbst Tanten,
all die vielen Anverwandten,
Pastor, Lehrer und dergleichen
wollen aus dem Kopf nicht weichen.
Ließen sich dort früh schon nieder,
raunen ihre Klagelieder:
„Tu das nicht, lass dies, lass das,
hüte dich vor zuviel Spaß,
sei gehorsam, stets die Nette,
wahre ja die Etikette.“

Ach, sogar mein Großpapa
hat Sitz und Stimme dort im Saal -
im Saal des Über-Ich dem engen,
dem rigorosem und sehr strengem.
Auch der Zeitgeist, groß und mächtig,
prägt mein Denken sehr beträchtlich
und der King in diesem Chor,
ist das „man“, ein feiger Tor.
Glattgeschniegelt und sehr glitschig
weiß es alles, ist sehr wichtig,
will ich es genau erfassen,
ist es weg und ich verlassen.

All die vielen Geisterstimmen
woll'n mein Leben mitbestimmen,
folgen mir bis in mein Bett -
als ein Horror-Kabinett!
„Das kannst du nicht, du bist zu klein,
lass doch das Naschen endlich sein.
Du bist zu schnell, zu bummelig
und ach, auch ziemlich pummelig.
Mach Platz, sei höflich und sei still,
beweg dich, reg dich!“, schrei'n sie schrill.
„Was, du willst Freiheit, nicht die Pflicht?
Oh weh, oh weh, das tut man nicht!“

Blitz und Donner, gebt mal Ruhe,
was  im Leben ich jetzt tue,
was mir lieb ist oder wichtig,
was gar falsch ist oder richtig
entscheide ich aus meiner Mitte,
und nicht über schlaue Dritte.
Was ich erstrebe, was ich bin,
was meinem Leben gibt den Sinn,
das richtet sich nach höher'n Werten,
nicht nach den für mich verkehrten.
Mein Über-Ich, du bist entthront,
mein Weg zu mir hat sich gelohnt.


Anke Neumann

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